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Dichterliebe op. 48, von Robert Schumann

Dichterliebe ist ein Zyklus von 16 Liedern des Komponisten Robert Schumann, der mit seinem Opus 48 einen Höhepunkt des romantischen Kunstlieds schuf. Dichterliebe von Robert Schumann entstand 1840 zu Gedichten aus Heinrich Heines Lyrischem Intermezzo, einer Sammlung von 65 Gedichten, die 1823 in Tragödien nebst einem lyrischen Intermezzo, dann 1827 im Buch der Lieder erschienen waren. Von den 20 komponierten Liedern wurden 16 schließlich gedruckt.

1. Im wunderschönen Monat Mai

Im wunderschönen Monat Mai,
Als alle Knospen sprangen, Da ist in meinem Herzen Die Liebe aufgegangen.

Im wunderschönen Monat Mai,
Als alle Vögel sangen, Da hab’ ich ihr gestanden Mein Sehnen und Verlangen.

Im wunderschönen Monat Mai,
Als alle Knospen sprangen, Da ist in meinem Herzen Die Liebe aufgegangen.
Im wunderschönen Monat Mai,
Als alle Vögel sangen, Da hab’ ich ihr gestanden Mein Sehnen und Verlangen.

2. Aus meinen Tränen spriessen

Aus meinen Tränen sprießen Viel blühende Blumen hervor, Und meine Seufzer werden
Ein Nachtigallenchor.

Und wenn du mich lieb hast, Kindchen, Schenk’ ich dir die Blumen all’,
Und vor deinem Fenster soll klingen Das Lied der Nachtigall.

3. Die Rose, die Lilie, die Taube, die Sonne

Die Rose, die Lilie, die Taube, die Sonne, Die liebt’ ich einst alle in Liebeswonne. Ich lieb’ sie nicht mehr, ich liebe alleine Die Kleine, die Feine, die Reine, die Eine;

Sie selber, aller Liebe Wonne,
Ist Rose und Lilie und Taube und Sonne.
Ich liebe alleine
Die Kleine, die Feine, die Reine, die Eine.

4. Wenn ich in deine Augen seh’

Wenn ich in deine Augen seh’,
So schwindet all’ mein Leid und Weh; Doch wenn ich küße deinen Mund, So werd’ ich ganz und gar gesund.

Wenn ich mich lehn’ an deine Brust, Kommt’s über mich wie Himmelslust; Doch wenn du sprichst: ich liebe dich! So muß ich weinen bitterlich.

5. Ich will meine Seele tauchen

Ich will meine Seele tauchen
In den Kelch der Lilie hinein; Die Lilie soll klingend hauchen Ein Lied von der Liebsten mein.

Das Lied soll schauern und beben Wie der Kuß von ihrem Mund,
Den sie mir einst gegeben
In wunderbar süßer Stund’.

6. Im Rhein, im schönen Strome

Im Rhein, im heiligen Strome, Da spiegelt sich in den Well’n Mit seinem großen Dome
Das große, heil’ge Köln.

Im Dom da steht ein Bildnis,
Auf goldnem Leder gemalt;
In meines Lebens Wildnis
Hat’s freundlich hineingestrahlt.

Es schweben Blumen und Eng’lein
Um unsre liebe Frau;
Die Augen, die Lippen, die Wänglein, Die gleichen der Liebsten genau.

7. Ich grolle nicht, und wenn das Herz auch bricht

Ich grolle nicht, und wenn das Herz auch bricht, Ewig verlornes Lieb! ich grolle nicht. Wie du auch strahlst in Diamantenpracht, Es fällt kein Strahl in deines Herzens Nacht.

Das weiß ich längst. Ich sah dich ja im Traum, und sah die Nacht in deines Herzens Raum,Und sah die Schlang, die dir am Herzen frißt, – Ich sah, mein Lieb, wie sehr du elend bist.

8. Und wüßten’s die Blumen, die kleinen

Und wüßten’s die Blumen, die kleinen, Wie tief verwundet mein Herz,
Sie würden mit mir weinen,
Zu heilen meinen Schmerz.

Und wüßten’s die Nachtigallen, Wie ich so traurig und krank, Sie ließen fröhlich erschallen Erquickenden Gesang.

Und wüßten sie mein Wehe, Die goldenen Sternelein, Sie kämen aus ihrer Höhe, Und sprächen Trost mir ein.

Sie alle können’s nicht wissen, Nur eine kennt meinen Schmerz; Sie hat ja selbst zerrissen, Zerrissen mir das Herz.

9. Das ist ein Flöten und Geigen

Das ist ein Flöten und Geigen, Trompeten schmettern darein
Da tanzt wohl den Hochzeitreigen Die Herzallerliebste mein.

Das ist ein Klingen und Dröhnen, Ein Pauken und ein Schalmei’n; Dazwischen schluchzen und stöhnen Die lieblichen Engelein.

10. Hör’ ich das Liedchen klingen

Hör’ ich das Liedchen klingen, Das einst die Liebste sang,
So will mir die Brust zerspringen

Von wildem Schmerzendrang.
Es treibt mich ein dunkles Sehnen Hinauf zur Waldeshöh’,
Dort löst sich auf in Tränen
Mein übergroßes Weh’.

11. Ein Jüngling liebt ein Mädchen

Ein Jüngling liebt ein Mädchen, Die hat einen andern erwählt;
Der andre liebt eine andre,
Und hat sich mit dieser vermählt.

Das Mädchen nimmt aus Ärger Den ersten besten Mann,
Der ihr in den Weg gelaufen; Der Jüngling ist übel dran.

Es ist eine alte Geschichte, Doch bleibt sie immer neu; Und wem sie just passieret, Dem bricht das Herz entzwei.

12. Am leuchtenden Sommermorgen

Am leuchtenden Sommermorgen
Geh’ ich im Garten herum.
Es flüstern und sprechen die Blumen, Ich aber wandle stumm.
Es flüstern und sprechen die Blumen, Und schaun mitleidig mich an:
Sei unserer Schwester nicht böse,
Du trauriger blasser Mann.

13. Ich hab’ im Traum geweinet

Ich hab’ im Traum geweinet,
Mir träumte, du lägest im Grab. Ich wachte auf, und die Träne Floß noch von der Wange herab.

Ich hab’ im Traum geweinet,
Mir träumt’, du verließest mich. Ich wachte auf, und ich weinte Noch lange bitterlich.

Ich hab’ im Traum geweinet,
Mir träumte, du wär’st mir noch gut. Ich wachte auf, und noch immer Strömt meine Tränenflut.

14. Allnächtlich im Traume seh’ ich dich

Allnächtlich im Traume seh’ ich dich Und sehe dich freundlich grüßen,
Und laut aufweinend stürz’ ich mich Zu deinen süßen Füßen.

Du siehest mich an wehmütiglich
Und schüttelst das blonde Köpfchen; Aus deinen Augen schleichen sich Die Perlentränentröpfchen.

Du sagst mir heimlich ein leises Wort Und gibst mir den Strauß von Zypressen. Ich wache auf, und der Strauß ist fort, Und ‘s Wort hab’ ich vergessen.

15. Aus alten Märchen winkt es

Aus alten Märchen winkt es Hervor mit weißer Hand,
Da singt es und da klingt es Von einem Zauberland;

Wo bunte Blumen blühen
Im gold’nen Abendlicht,
Und lieblich duftend glühen, Mit bräutlichem Gesicht;

Und grüne Bäume singen Uralte Melodei’n,
Die Lüfte heimlich klingen, Und Vögel schmettern drein;

Und Nebelbilder steigen Wohl aus der Erd’ hervor, Und tanzen luft’gen Reigen Im wunderlichen Chor;

Und blaue Funken brennen An jedem Blatt und Reis, Und rote Lichter rennen Im irren, wirren Kreis;

Und laute Quellen brechen
Aus wildem Marmorstein.
Und seltsam in den Bächen Strahlt fort der Widerschein.

Ach, könnt’ ich dorthin kommen, Und dort mein Herz erfreu’n, Und aller Qual entnommen,
Und frei und selig sein!

Ach! jenes Land der Wonne, Das seh’ ich oft im Traum, Doch kommt die Morgensonne, Zerfließt’s wie eitel Schaum.

16. Die alten, bösen Lieder

Die alten, bösen Lieder,
Die Träume bös’ und arg,
Die laßt uns jetzt begraben, Holt einen großen Sarg.

Hinein leg’ ich gar manches, Doch sag’ ich noch nicht, was; Der Sarg muß sein noch größer, Wie’s Heidelberger Faß.

Und holt eine Totenbahre,
Und Bretter fest und dick; Auch muß sie sein noch länger, Als wie zu Mainz die Brück’.

Und holt mir auch zwölf Riesen, Die müssen noch stärker sein Als wie der starke Christoph
Im Dom zu Köln am Rhein.

Die sollen den Sarg forttragen, Und senken ins Meer hinab;
Denn solchem großen Sarge Gebührt ein großes Grab.

Wißt ihr, warum der Sarg wohl So groß und schwer mag sein? Ich senkt’ auch meine Liebe Und meinen Schmerz hinein.